Sonntag, 6. Dezember 2009



.das nicht.


.
.
Sie ist nicht mehr bereit
ohne ihn zu leben.
sie ist nicht mehr bereit
auch nur einen schritt zu gehen,
wenn er sie nicht begleitet.
sie ist nicht mehr bereit zu fallen
ohne aufgefangen zu werden.
sie ist nicht mehr bereit
das zu missen,
was er ihr geben kann.


Was er ihr geben kann?
„Alles kann er dir geben Mädchen.“
sagen die Menschen zu ihr.
„Alles.“


Aber schenkt er ihr ein Lächeln,
wenn sie einen Marienkäfer findet?
Aber würde er mit ihr Salat vom Markt holen?
Aber würde er sich mit ihr über die Blau's am Himmel streiten?
Aber würde er sie von seinem Eis probieren lassen?
Aber würde er sie hoch heben, wenn sie in der falschen Reihe stünde?
Aber würde er ihr Briefchen schreiben?
Aber würde er sich in ihrer Sonnenbrille spiegeln?
Aber würde er ihr Butterkuchen backen?
Aber würde er sie küssen?
Aber würde er barfuss mit ihr durch die Wiese rennen?
Aber würde er ihr die Bilder in die Wände dübeln?
Aber würde er ihr von fernen Reisen erzählen?
Und sie mitnehmen, überallhin?
Aber würde er ihr sagen, dass sie schön ist?
Aber würde er sein Lieblingslied summen?
Aber würde er ein schönes Wort wissen, von a bis z?
Aber würde er Fehler machen, genau wie sie?
Aber würde er beim grinsen, hellrote Backen kriegen?
Aber würde er ihr die Hand im Kino halten?
Aber würde er ihr eine Sonnenblume mitbringen?
Aber würde er ihr...


„Alles.“ sagen sie Menschen.
„Das nicht.“ sagt sie.

4. MOSE, 32,11
Er ging mit ihnen um, wie ein Adler der seinen Jungen das Fliegen lehrt.
Er wirft sie aus dem Nest, begleitet ihren Flug, und wenn sie fallen, ist er da,
er breitet seine Schwingen unter ihnen aus und fängt sie auf.
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Wir müssen aus unserem Nest heraus.
denn Erfahrungen und Herausforderungen des Lebens entgegen.
Uns dem Leben in die Arme werfen.
Das Leben leben.
So wie er sich das für uns dachte.
Und manchmal schubst er uns hinaus, aus dem Nest.
Wenn wir zulange auf einer Stelle verweilen,
uns zurück lehnen und nicht weitergehen,
in der Gewohnheit stehen bleiben,
nicht weiterwachsen.
Er schubst und lässt uns fallen.
Es kann es sein dass wir hart landen,
Bruchlanden,
Sturzflüge hinlegen und uns verletzen,
den Lebensweg für Zeiten verlassen,
ja sogar unser Leben lassen.

Aber er begleitet stets unseren Flug.
Er mutet uns das zu, was wir imstande sind auszuhalten.
Wir entscheiden nicht über die Definition, welcher Flug zu hart war,
welcher Sturz er hätte nicht zulassen dürfen.

Auch wenn wir uns verlassen fühlen
wir sind es nicht.
Auch wenn wir warten.
Auch wenn wir seine schützenden Schwingen nicht spüren.
Auch wenn wir aufgeben.

Wir alle fallen.
Und doch ist er da.
Er ist da und hält dieses Fallen unendlich sanft in seinen Händen.